Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Otfried Büsing (*1955)
Fantasia d-Moll
Bearbeitung für Orgel nach dem 1. Satz der Sonate für Violine solo BWV 1001
Johann Sebastian Bach
Fuge d-Moll BWV 539
Johann Sebastian Bach
Ferruccio Busoni (1866 – 1924)
Chaconne aus der Partita Nr. 2 d-Moll, BWV 1004
Bearbeitung für Klavier
Johann Sebastian Bach
Choral BWV 617: Herr Gott, nun schleuss den Himmel auf
Johann Sebastian Bach
Ferruccio Busoni
Choral BWV 617: Herr Gott, nun schleuss den Himmel auf
Bearbeitung für Klavier
César Franck (1822 – 1890)
Fantaisie (1854)
Variations symphoniques M. 46
Bearbeitung für Klavier und Orgel: Hannfried Lucke
Seltenes Gipfeltreffen mit Klavier und Orgel
Heute hören wir Orgel und Klavier, einzeln und im Dialog miteinander. Eine nicht alltägliche Kombination im Freiburger Münster! Der Interpret teilt uns dazu Folgendes mit: Fantasia und Fuge d-Moll BWV 539 von Johann Sebastian Bach erklingt in einer Bearbeitung der Fantasia durch den Freiburger Komponisten Otfried Büsing, die dem Werk eine neue klangliche Dimension verleiht. Büsing bewahrt die expressive Tiefe des Originals und eröffnet gleichzeitig neue klangliche Perspektiven. Die Fuge ist eine Bearbeitung des zweiten Satzes der Sonate für Violine solo BWV 1001 durch Bach selbst. In dieser Orgelfassung entfaltet sich das fugierte Thema in majestätischer Weise und demonstriert Bachs Meisterschaft in der kontrapunktischen Komposition. Die Kombination aus der von Büsing bearbeiteten Fantasia und der originalen Fuge bietet ein eindrucksvolles Hörerlebnis, das die Intimität der Solovioline mit der monumentale Klangpracht der Orgel vereint. Das Choralvorspiel »Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf« aus dem Orgelbüchlein hat Ferruccio Busoni für Klavier transkribiert. Ein Vergleich beider Fassungen offenbart interessante Unterschiede: Während die Orgelfassung die liturgische Tiefe betont, bringt die Klaviertranskription von Busoni eine romantische Ausdruckskraft zum Vorschein.
César Francks Fantaisie A-Dur aus dem Jahr 1854 entstand zur Einweihung der neuen Cavaillé-Coll-Orgel im Palais du Trocadéro in Paris und zeigt Francks Bestreben, die Orgelmusik aus dem rein liturgischen Rahmen zu lösen, um sie als eigenständige Konzertgattung zu etablieren. Die Struktur des Stückes ist frei und orientiert sich nicht an traditionellen Formen wie Sonate oder Fuge. Stattdessen entfaltet sich die Musik organisch, wobei sich ruhige, meditative Passagen mit dramatischen Höhepunkten abwechseln.
Die Chaconne in d-Moll aus Bachs zweiter Partita für Violine solo zählt zu den monumentalsten Werken der Violinliteratur. Ferruccio Busonis Klaviertranskription von 1893 erhebt dieses Meisterwerk in eine neue klangliche Dimension und verbindet barocke Strenge mit romantischer Ausdruckskraft. Busonis Bearbeitung ist mehr als eine bloße Übertragung. Sie ist eine künstlerische Neuschöpfung, die die polyphone Tiefe des Originals bewahrt und gleichzeitig die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers ausschöpft: ein Werk von orchestraler Dichte und emotionaler Intensität.
Die Variations symphoniques von Franck verbinden formale Strenge mit expressiver Tiefe. Dieses Meisterwerk der romantischen Variationskunst ist ursprünglich für Klavier und Orchester komponiert. Heute werden Klavier und Orgel zu einer Einheit verschmelzen, weil beide gleichberechtigt agieren. Die Orgel übernimmt die Rolle des Orchesters, wobei durch geschickte Registrierung verschiedene Instrumentengruppen imitiert werden können. Das Klavier führt das thematische Material ein und variiert es. Diese Fassung ermöglicht es, die orchestrale Pracht des Originals in einem kammermusikalischen Rahmen zu erleben.
(Text: Prof. Dr. Meinrad Walter)
Zu den Interpreten
Die Pianistin
Lei Meng wurde 1991 in Harbin (China) geboren und erhielt ihre erste musikalische Ausbildung am China Conservatory in Peking, an der dortigen Austrian-Chinese Music-University und anschließend an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. Klaus Kaufmann sowie am Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Paris bei Prof. Michel Béroff. 2016 schloss Lei Meng ihr Masterstudium an der Universität Mozarteum Salzburg mit Auszeichnung ab, anschließend folgte ein Postgraduate-Studium. Zusätzlich erwarb sie einen Bachelor-Abschluss in Instrumentalpädagogik. 2017 erhielt sie eine Anstellung als Klavierlehrerin und Korrepetitorin an der Musikschule Grassau in Bayern. Seit 2018 unterrichtete sie an der Universität Mozarteum Salzburg als Senior Lecturer für Klavier, 2022 erfolgte ihre Habilitation. Seit 2024 ist sie Dozentin der Internationalen Sommerakademie der Universität Mozarteum Salzburg, wo sie zum Wintersemester 2024/25 auf die Professur für Klavier und Klavierdidaktik berufen wurde. Sie hält regelmäßig Meisterkurse und ist Jurymitglied internationaler Klavierwettbewerbe.
Lei Meng erhielt zahlreiche nationale Preise in ihrem Heimatland. An der Universität Mozarteum Salzburg wurde ihr 2009 der »Mozartpreis« verliehen. 2011 war sie Preisträgerin beim internationalen »Bang & Olufsen PianoRAMA«-Wettbewerb in Aarhus (Dänemark) und 2016 beim Wettbewerb »Santa Cecilia« in Porto (Portugal). Konzerte führten sie in viele Länder Europas, in die USA sowie nach China und Brasilien. Regelmäßig erhält sie Einladungen zu bedeutenden Festivals. Wiederholt konzertierte sie als Solistin mit verschiedenen Orchestern und mit unterschiedlichen Kammermusik-Ensembles. 2016 nahm Lei Meng ihre erste CD mit Werken von Scarlatti, Mozart und Dutilleux auf. Gemeinsam mit Professoren der Universität Mozarteum Salzburg spielte sie eine Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Johann Sebastian Bachs auf DVD ein. In jüngster Zeit sind mehrere CD-Aufnahmen beim Label Coviello Classics erschienen.
Hannfried Lucke wurde in Freiburg i. Br. geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg, am Mozarteum Salzburg und am Conservatoire de musique in Genf. Er war Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und wurde mit dem «Premier Prix« am Conservatoire de musique in Genf und dem Preis des österreichischen Kultusministers ausgezeichnet.
Konzerte und Rundfunkaufnahmen führten ihn in die meisten Länder Europas, in die USA, nach Kanada, Japan, Hongkong und Australien.
Er konzertierte an bedeutenden Orgeln und bei Festivals, u.a. bei den Wiener Festwochen, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, beim Tanglewood Music Festival, in der Royal Festival Hall London, der St. Patrick’s Cathedral New York, in der Suntory Hall Tokyo und der Kyoto Concert Hall. Seine zahlreichen CD-Einspielungen bei Labels wie Thorofon, Mitra, Carus und Coviello Classics wurden mehrfach international ausgezeichnet.
1997 wurde er als Professor für Orgel an die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz berufen, im Jahr 2000 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl der Universität Mozarteum Salzburg. Von 2016 bis 2017 lehrte er zusätzlich im Rahmen einer Vertretungsprofessur an der Hochschule für Musik Freiburg. Im Jahr 2018 wurde er zum Vizerektor für Kunst der Universität Mozarteum Salzburg ernannt. Er ist Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Mozarteum Salzburg. Hannfried Lucke hält regelmäßig Meisterkurse in Europa, Japan und den USA und ist Jurymitglied internationaler Orgelwettbewerbe.