In der vielfältigen Geschichte des Freiburger Münsters ist eine Orgel etwa ab dem 15. Jahrhundert (1465 erstmals urkundlich erwähnt) nachweisbar. Über die Orgel selbst ist nichts bekannt, man darf aber annehmen, dass sie an der nördlichen Langhauswand an der bis heute genutzten Stelle installiert war. Nach größeren Maßnahmen 1501, erfolgte ein erneuter Umbau des Instruments nach Ankauf einer durch die Reformation in Basel abgängigen Orgel 1529/30. 1544-1545 kam es an dieser Stelle zu einem Orgelneubau durch Jörg Ebert. Er stammte aus Rothenburg ob der Tauber, hatte sich in Ravensburg niedergelassen und war ein überregional bekannter Orgelbauer, der Orgeln im Überlinger Münster (1548), in der Basilika Ottobeuren (1554-57), der Hofkirche Innsbruck (1555-61, restauriert erhalten) und in Prag (1556) baute. Die Freiburger Schwalbennestorgel Jörg Eberts wurde über viele Jahre hinweg sehr geschätzt und gerühmt. Es erfolgten einige Instandsetzungen und Veränderungen im Laufe der Zeit.
1595/96 ist in den Aufzeichnungen der Münsterfabrik eine Orgel im oberen Chor erwähnt, welche durch den Freiburger Orgelbauer Hans Werner Muderer erbaut wurde. 1811-13 erfolgte nach den Befreiungskriegen der Neubau einer einmanualigen Orgel mit Pedal im Chorraum durch Nikolaus Schuble aus Pfaffenweiler.
Im 19. Jahrhundert änderte sich das Musikempfinden allmählich im Sinne der Zuwendung zur musikalischen Romantik. Eine weitere grundlegende Renovierung der Langschifforgel erfolgt 1817/18 durch die Orgelbauer Matthias und Ludwig Martin aus Waldkirch; dabei wird vor allem das Rückpositiv stark verändert. 1839 erfolgte aufgrund eines Sachverständigengutachtens ein Umbau der Orgel durch Franz Joseph Merklin, wobei auch hierbei stark in die Substanz des ursprünglichen Werkes eingegriffen wurde. Der in Freiburg ansässige Orgelbauer Jacob Forrell, der bei Merklin gelernt hatte, legte 1854 eine Disposition für einen Orgelneubau (III+P / 37) vor, der auf der Empore im Querhaus aufgestellt werden und in seiner Klanggestalt sich mehr am romantischen Klangideal orientieren sollte. Mangels finanzieller Mittel wurde dieses Vorhaben nie umgesetzt.
1855 kam der englische Baron Sir John Sutton nach Freiburg, der sich sehr für Baukunst, Musik und Liturgie interessierte. Er begeisterte sich für die alte Langschifforgel und den gotischen Baustil und fand rasch im damaligen Dompfarrer Joseph Marmon einen weiteren Gotik-Liebhaber. In der Geschichte des Münsters sind in dieser Zeit zahlreiche Umgestaltungen im Stil der Neugotik vorgenommen worden, da man sich auf die Epoche der Gotik zurückbesonnen hatte und das Münster von den Umbauten der Barockzeit wieder befreien wollte. Vor diesem Hintergrund stiftete 1867 Sutton mit seinem großen Vermögen ein neues Orgelwerk, welches vom Brüsseler Orgelbauer Louis-Benoit Hooghuys gefertigt wurde. Das Instrument wurde vermutlich in das vorhandene Gehäuse eingebaut, welches mit neuen Flügeltüren ausgestattet wurde. Inwieweit Veränderungen am Gehäuse durchgeführt wurden, lässt sich nicht exakt belegen. Entgegen der allgemeinen Klangvorstellungen dieser Zeit war die Konzeption auf die alte Ebert-Orgel hin ausgerichtet. Man kann annehmen, daß ursprünglich eine größere Disposition geplant war, welche dann aus unklaren Gründen (vermutlich aufgrund des plötzlichen Todes des Stifters) reduziert wurde. Die Orgel war nur mit 16 klingenden Registern ausgestattet, das Positivmanual entlehnte sich Register aus dem Hauptwerk über Wechselschleifen. Aus diesen vielfältigen Gründen war die Meinung über dieses Instrument von Anfang an sehr kontrovers, es bestand mit späteren Veränderungen von 1870 bis 1929.
Auf Veranlassung von Domkapellmeister Johannes Schweizer erfolgte 1881 die Fertigstellung einer zweimanualigen Chororgel im romantischen Stil mit pneumatischer Traktur durch die bekannte Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker. Dieses Instrument wurde zunächst auf der Gewerbeausstellung in Stuttgart vorgestellt und anschließend im Münster hinter einen durch das erzbischöfliche Bauamt entworfenen Prospekt aufgestellt. Sie wurde 1928/29 auf eine elektropneumatische Traktur umgebaut und an den neuen elektrischen Hauptspieltisch angeschlossen.
Aus Anlaß des 100-jährigen Jubiläums des Erzbistums Freiburg wurde von der Stadt Freiburg 1927 eine große Geldsumme für einen Orgelneubau zur Verfügung gestellt. Zum Katholikentag 1929 wurde durch die Freiburger Orgelbaufirma M. Welte und Söhne ein großes Orgelwerk im Münster eingebaut. Welte war zunächst vor allem für selbstspielende mechanische Musikinstrumente, Kinoorgeln, pneumatische Orgeltrakturen und Reproduktionsklaviere bekannt. In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten hatte man in Zusammenarbeit mit Max Koulen eine neue Sparte für den Kirchenorgelbau ergänzt. Für die neue Orgel im Münster vergrößerte man das Gehäuse der Langschifforgel ergeblich, sodaß es weit in das Langhaus hineinragte. Hier waren auf 3 Manualen und Pedal 50 klingende Register und 8 Transmissionen untergebracht. Hinzu kamen ein Hochdruckwerk von 8 Registern, ein Fernwerk von 9 Registern und eine Contratuba 32’ auf der Michaelsempore im Westturm. Ein elektrischer Hauptspieltisch, über welchen auch die Walcker-Orgel im Hochchor angespielt werden konnte, wurde im Eingang zum Chorraum aufgestellt.
Kurze Zeit nach der Einweihung empfand man diese Orgel bereits als klanglich und optisch unbefriedigend. Dies hatte zum einen den Grund, dass die akustischen Gegebenheiten im mit 11 Metern relativ schmalen Langschiff den massiven Klang der Orgel nicht aufnehmen konnte. Zum anderen ragte die Orgel mit 2,60m Tiefe weit in das Langschiff hinein und war mit 11m Höhe und 10m Breite ein großer Fremdkörper. 1936 wurde die Langschifforgel wieder in die alten Maßverhältnisse zurückgeführt und mit einem barock klingenden Werk ausgestattet. Das große Orgelwerk wurde als „Hauptorgel“ hinter einen Freipfeifen-Prospekt auf den Lettner in die nördliche Vierung versetzt. Auf der Michaelsempore entstand eine Begleitorgel für den Chor. Zunächst wurde das Hochdruckwerk noch belassen. Es wurde versucht, angesichts knapper Geldmittel die Gesamtdisposition geringfügig im Sinne einer klaglichen Aufhellung zu verändern. Bis zum Krieg wurde das Hochdruckwerk zu einem III. Manual der Michaelsorgel umgebaut. Die Arbeiten wurden sämtlich durch die Firma M. Welte und Söhne vorgenommen. Durch die Firma Eisenschmid wurde ein neuer 5 manualiger Hauptspieltisch erstellt, der alte Spieltisch wurde umgebaut und auf die Michaelsempore versetzt.
Nach Kriegsschäden wurde 1945/46 eine umfassende Instandsetzung vor allem der Hauptorgel notwendig. Da die Windladen im wesentlichen noch vorhanden waren, wurde durch den Orgelbauer Willy Dold eine Dispositionsänderung unter Beibehalten der Windladen und Erniedrigung der Winddrücke durchgeführt. Die Walcker-Orgel im Chor wurde nun erstmals verändert und die Disposition 1945 durch Welte dergestalt modifiziert, daß das Klangbild aufgehellt wurde. Statt des neogotischen Prospektes schuf Willy Dold 1955 einen Freipfeifenprospekt.
Im Laufe der 50-er Jahre erwies sich die Orgelanlage zunehmend als störanfällig. Zudem hatte sich über die Jahre aufgrund der vielen Modifikationen unter geringen Geldmitteln ein nicht befriedigendes Ergebnis gezeigt und ein Missverhältnis zwischen Winddrücken, Mensuren, Disposition und Klangvorstellung. So fiel der Entschluß zu einem Neubau zu Beginn der 60er Jahre an den vorhandenen Plätzen.
Literatur:
- Orgelklang im Freiburger Münster, Hans Musch in: Musik am Freiburger Münster, herausgegeben von Christoph Schmider, Rombach Freiburg, 2002
- Die Arbeiten von Louis-Benoit Hooghuys in Deutschland und ihr Bestand, Josef Burg, Acta Organologica, Bd. 23, Merseburger Verlag, 1993
- Orgelkunst am Oberrhein, Hans Musch in: Ars Organi 37, 1989
- Das Orgelwerk des Freiburger Münsters, Carl Winter / Ludwig Doerr, 3. aktualisierte Auflage Freiburg 1990, herausgegeben vom Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg i. Br.
- Das Orgelwerk des Freiburger Münsters, Carl Winter, 1. Auflage 1965, Christophorus-Verlag Freiburg im Breisgau
- Die große Orgel im Münster zu Freiburg i. Br., Carl Winter in: Orgel-Monographien: 48, Rheingold-Verlag, Mainz, ca. 1946
- Das neue große Orgelwerk im Freiburger Münster, Friedrich Kempf, Welte, Freiburg im Breisgau, 1929




